Zitadelle und Abtei Saint‑Vanne

Auf der Anhöhe über Verdun erhebt sich die Zitadelle, die zum Teil an der Stelle der im 10. Jahrhundert gegründeten ehemaligen Benediktinerabtei Saint-Vanne erbaut wurde. Das in der Epoche der Romanik sehr einflussreiche Kloster erfuhr ab dem späten Mittelalter tiefgreifende Veränderungen.

Nach der Annektierung der Stadt durch Heinrich II., König von Frankreich, im Jahr 1552 wurde an seinem Standort eine Zitadelle errichtet. Die königlichen Ingenieure bauten die religiösen Gebäude nach und nach zu einer militärischen Anlage um. Am Ende des 17. Jahrhunderts verstärkte Vauban diesen strategisch wichtigen Sektor. Trotz der Präsenz der Truppen ging das klösterliche Leben jedoch weiter. Während der Französischen Revolution wurde die Abtei zur Kaserne umfunktioniert. Bis 1870 wurden die klösterlichen Gebäude nach und nach abgerissen. Nur ein Turm blieb erhalten. Er ist noch immer zu sehen und diente im Ersten Weltkrieg als Aussichtsposten und Funkstation. Die Zitadelle wurde im 19. Jahrhundert grundlegend umgebaut. Die Ingenieure ließen ein umfassendes unterirdisches Stollennetz für Truppen, Munitionslager und Kommandoposten graben. Der Ausbau der Anlagen setzte sich bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts fort. So entstand die unterirdische Zitadelle, die einer militärischen Stadt unter der Erde glich.

In der Schlacht von Verdun 1916 spielte die Zitadelle als Logistikzentrum, Ruheort für die Soldaten und Stabsquartier eine bedeutende Rolle. Hier wurde am 10. November 1920 der unbekannte Soldat ausgewählt, der unter dem Triumphbogen in Paris ruhen sollte. Seit 1929 steht die Zitadelle als „Monument historique“ unter Denkmalschutz.